TROPENHELME, SCHNUERSTIEFEL & KURZE HOSEN

Personal Equipment

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TROPENHELME, SCHNUERSTIEFEL & KURZE HOSEN

Beitragvon Kuno » 9/9/2003, 19:59

DAK-TROPENHELME, SCHNUERSTIEFEL, KURZE HOSEN

Auf den frühen Bildern, sieht man das deutsche Personal in Tropenhelmen. Es gibt doch sicher jemanden, der noch so ein Teil zuhause rumliegen hat.

Meine Fragen:

- Wozu taugt so ein Teil? Sonnenschutz kann ja auch anders gewährleistet werden (hat man ja später dann auch erkannt und die Schirmmütze angezogen...).
- Wieso noch so ein sperriger Tropenhelm ZUM Stahlhelm hinzu. War doch ziemlich sperrig....oder hatte man am Anfang gar keine Stahlhelme.
- Bei den alliierten Truppen in Nordafrika sieht man sehr selten solche Dinger. Die haben dafür ihren Suppenteller auf dem Kopf.



Dann die kniehohen Schnuerstiefel.

- Wie lange dauerte es, diese Dinger im Alarmfall anzuziehen?
- Waren die Dinger "sanddicht"?
- Taugten sie zum Marschieren?
- Wie stark schwitzt man darin?
- wo war der Vorteil gegenüber "normalen" Schuhen?


Die kurzen Hosen.

- Die sehen ja erstmal ziemlich peinlich aus - vor allem zusammen mit den Kniesocken.
- Kein Einheimischer läuft mit nackten Beinen in der Gegend rum - SONNENBRAND!
- Stelle sich einer vor, in kurzen Hosen auf eine feindliche Stellung zuzurobben. Die müssen ja dauernd aufgeschürfte Kniee (ist das die korrekte Form für die Mehrzahl von Knie?) gehabt haben.



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Beitragvon Uwe Wiedemann » 16/9/2003, 22:01

Hallo Kuno,
ich versuch´s auch hier mal mit einer Antwort ; éine Antwort unserer Veteranen wäre hier natürlich am aufschlußreichsten... also, ich fang mal an:
1. Tropenhelm:
Tropenhelme wurden so Mitte des 19.Jhdt.s bekannt und Ende des 19.Jhdt.s aus "hygienisch-gesundheitlichen" Gründen für Europäer , oder bessser gesagt, "Weiße" überhaupt, so eine Art Norm-Kopfbedeckung, wenn die Reise nach Afrika oder Asien ging. Man wollte höchstmöglichen Sonnenschutz erreichen bei bestmöglicher Belüftung des Kopfes; deshalb auch die damals verbreitete, "hartschalige" hohe Glockenform ( ca. 1880 bis 1920) ähnlich eines Bobby-Helmes; die sollte ein Luftausgleichspolster schaffen zwischen Kopfhaut und Aussenbezug des Helmes. Viele Helme wurden aus Rückstrahlungszwecken , auch bei der Armee ( z.B. den Royal Marines ) weiß gekalkt; oft im Einsatz dann aber auch bei den Franzosen "kaffegebräunt" ( Kaffesatz drüber, draufspucken und glattreiben!), bei den Engländern - ganz klar - "tea-stained" ( gleiche Prozedur mit Teesatz).

Solche Tropenhelme sind aber durchaus auch bei den Alliierten noch im 2. WK zu sehen, besonders markant auch die engl. Panzerfahrer-THs, die kurzen Schirm und platte Glocke hatten; wurden auch als BEUTEHELME vom DAK getragen. Ich selbst habe mal Tropenhelme gesammelt. Das fing mit dem "Mitbringsel" meines Vaters an, einem brit.-Indischen TH, und ging weiter über dt. (LW, Heer, Marine) bis hin zu frz. Fremdenlegion (WK2) , brit. WK2-Modellen, holländ. und sonstigen, die oft auch an das DAK ausgegeben wurden. -----

Praktisch waren diese Teile nie und wurden wohl eher aus "Rapportangst" weiter aufbewahrt bei der Truppe...zu sperrig, zu schwer ( besonders die dt. Modelle), einfach zu umständlich und im Ernstfall kein Schutz! Manche trugen ihn wohl noch aus "Propagandazwecken": Man war dann halt doch ein Afrikaner. Im Endeffekt setzte sich aber volkommen berechtigt die bekannte Tropen-Schildmütze bei den Afrikanern durch, bei der LW oft noch das Schiffchen; für den Ernstfall den Stahlhelm...das genügt! Der TH blieb beim Troß. Mein Vater durfte mal , nach Bekleidungsappell (!!) und fehlendem (dt.!)Tropenhelm schöne Wege zwischen den Staffelzelten bauen, die er als Fleißaufgabe auch noch mit selbstgesammelten Randsteinen einfassen durfte! Er vermeidet bis heute das Wörtchen "Tropenhelm"....!


Soviel mal zu Teil 1 - Tropenhelm.

Gruß, Uwe
Uwe Wiedemann
 

Beitragvon Uwe Wiedemann » 16/9/2003, 22:17

Kuno,

Schnürstiefel kann ich nix dazu sagen. Das ist Heeresssache, da Du ja offensichtlich von den kniehohen Segeltuchstiefeln sprichst.
Luftwaffe: Da gab es durchaus am Anfang noch Antreten in kurzer Tropenhose und .....Knobelbecher!!! Fußschweiß juche!! ------

Bei der Luftwaffe waren später durchaus Sandalen üblich, am Boden wie in der Maschine!
Das ging bei den Kampftruppen natürlich nicht.



Kurze Hosen:

Wurden anfangs viel getragen, vor allem natürlich bei den Nicht-Kampftruppen. Waren ja damals auch schick....jedenfalls nach Abänderung durch die Truppe. Von meinem Vater weiß, daß sie die Hosenbeine ( "Bermudashortslänge!") hochgenäht haben, um so "topmodern" mehr Bein zeigen zu können.

Dann aber war Umdenken angesagt: Die ersten Erfahrungen lehrten 1. nie mittags in kurzer Hose raus und 2. nie abends und nachts in kurzer Hose raus. Kurzum: Lieber die lange Hose an ( obwohl der billige Tropenstoff ja auch nicht vor Kälte oder Aufschürfungen schützte). Bekannt und beliebt, auch beim Heer, war die weitgeschnittene Luftwaffe-Hose mit "Überfallbeinen".
Ich weiß nicht, inwieweit die enger geschnittenen Breecheshosen des Heeres mit Beinschnürung an den Waden "erträglich" waren?

Im übrigen wurde so ziemlich alles an kurzen Hosen getragen, was auffindbar war oder erbeutet wurde: Englische Shorts ( die peinlichen, mit Wadenstrümpfen zu tragen! :oops: ), italienische ( die beliebtesten, weil eher hochmodern "kurz") oder auch eben die deutschen, dann aber umgeändert.

Im Endeefekt setzte sich bei jedem alten Afrikaner schnell die Erkenntnis durch, dass die lange Hose alle Anforderungen bestens erfüllt.

Gruß, Uwe
Uwe Wiedemann
 

Tropenklieder

Beitragvon Kuno » 18/9/2003, 13:10

Hallo Uwe

Danke fuer die umfassende Antwort.

Der TH sollte wohl bei den Kolonialtruppen und -beamten auch irgendwie ein Statussymbol darstelllen, mit dem man sich von der einheimischen Bevoelkerung abheben konnte. Wenn das Teil auch nur im Ansatz praktisch gewesen waere, dann waere es sehrwahrscheinlich auch von einem in den Tropen lebenden Volk erfunden worden...

Das Bsp. mit deinem Vater erinnert mich an meine eigene Dienstzeit. Wir hatten im Winter gefuetterte Muetzen bei denen die "Dackelohren" runtergeklappt und unter dem Kinn zusammengeknoepft werden konnten. Das gab zwar schoen warm - es war aber verboten. Was praktisch ist muss nicht unbedingt in der Dienstvorschrift gutgeheissen werden.

...mal sehen, wenn ich es tatsaechlich noch einmal bis TMIMI schaffe - vielleicht finde ich die Wege deines Vaters noch....



Gruss, Kuno
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Beitragvon Helmuth » 21/9/2003, 18:21

Hallo Freunde,

als einer, der damit ausgerüstet war:

1. Die Schnürstiefel waren OK, ziemlich staubdicht (die Zunge war links und rechts angenäht), relativ schnell anzuziehen, man konnte damit auch lange Strecken laufen (Marschieren), wie mit anderen Stiefeln, wenn sie eingelaufen waren und man konnte sie auch zur kurzen und langen Hose tragen. Bei den Briten waren sie, wie ich gehört habe, sehr beliebt, ebenso beliebt wie die britischen "Wüstenschleicher" bei uns.
Im Grunde genommen waren die Schnürstiefel, ebenso wie die dazu zu tragenden Breecheshosen Quatsch, aber der Soldat machte darin halt eine zackige Figur.

2. Kurze Hosen: Die trugen wir nur dann, wenn wir "hinten" waren. Vorne kannte man sich rasch aufgeschlagene Kniee holen, wenn die Einschläge näher kamen.

3. Lange Hosen: Waren ideal für das Wüstenklima. Ich habe sie geliebt, dazu die Segeltuch/Leder-Schnürschuhe oder eben die vorher genannten Wüstenschleicher.

4. Tropenhelm: Von "Helm" kann keine Rede sein. Unsere waren aus Bröselkork, etwas schwer und sperrig, denn einen Stahlhelm hatten wir auch noch. Die TH waren schnell verschlissen (man half manchmal nach) und wurden durch die Schildmütze ersetzt, die ideal ihren Zweck erfüllte. Überigens waren dagegen die brit. Tropenhelme (Bombay Bowler), da leichter und formschöner, auch bei uns eitlen Soldaten beliebt, aber wir hatten nicht viele. Mich wundert es überhaupt, dass es von den dt. TH noch welche gibt. Im Übrigen stimme ich zu, das diese Dinger eine Reminiszenz aus dem 19./20. Jahrhundert aus alter Klonialherrlichkeit in Indien und Afrika waren. Sie sind passé, wie heute auch der Bowler in London bei den Geschäftsleuten.

Gruss - Helmuth
Helmuth
 

Beitragvon nick » 5/12/2003, 11:08

Hallo zusammen,

wie ich dem Buch "Sanitätstdienst im Wüstenkrieg" entnehmen konnte, stellte sich während des Feldzuges heraus, dass die Tropenhelme (dt.) zu dem noch gefährlich waren, weil bei Splitterverletzungen immer Korkteile mit in die Wunde eindrangen und diese dann später zusätzlich noch entzündeten. Daher riet die Sanitätsstaffel zu den Stahlhelmen. Bei denen hatten Sie dann aber das Problem, dass viele Ohnmachtsanfälle (im Stellungskampf vor Tobruk oft passiert) und ähnliches bekommen hatten, weil erstens keine Luftzirkulation vorhanden war und zweitens der Anstrich äußerst unpassend war. So hatten teilweise Luftwaffensoldaten (Flak) noch einen blauen Anstrich. Erst mit einem Khaki Anstrich ging es dann.

Gruß

Nick
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Beitragvon Kuno » 5/12/2003, 14:24

...dann wuerde ich sagen, dass man den Tropenhelm ruhig als Fehlentwicklung in den Eimer stecken kann...
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Beitragvon nick » 5/12/2003, 14:27

Ach ürbigens einem Tagebuch konnte ich entnehmen, dass man die Tropenhelme sehr gut als Lautsprecher benutzen konnte. Dort baute der Funker eine Kopfhörerschale in die Mitte ein und der Helm diente als Klangkörper. Damit konnten dann alle seiner Einheit Radio hören.

Gruß

Nick
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Beitragvon Kuno » 5/12/2003, 14:49

> Jaaaaa dannn! So macht das Teil doch wieder Sinn!!!

> Vielleicht haette man bei den Italienischen Panzern mal in eine ähnliche richtung forschen sollen...
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Beitragvon Kuno » 15/2/2004, 12:51

...wurden denn eigentlich die blöden Korkhelme während des ganzen Feldzuges verteilt oder hat man irgendwann dann doch eingesehen, dass dieses Teil einzig eine Verschwendung von Transportraum darstellt?
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Beitragvon Helmuth » 17/3/2004, 20:41

Hallo alle, ich wußte gar nicht, daß man den Dingern so viel Beachtung schenkt. Also, die Tropenhelme gehörten zur Grundausrüstung und wurden in Afrika NICHT ersetzt. Es dauerte nicht lange, dann flogen die Dinge in die Ecke, an der Front. Wie es hinten war kann ich nicht so genau sagen. Da trug man sie vielleicht etwas länger.
Übrigens wollte ich noch was zu dem Beitrag über Bekleidung etc. auf Nicks Webseite sagen: Vorsicht! Da steht einiger Mist drin und ich kann nicht verstehen, wie der Verfasser darauf kam. Ich werde demnächst mal dazu im Einzelnen Stellung nehmen.
Nix gegen Nick, der hat den Bericht ja nur rein gegeben.
Gruss - Helmuth
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Beitragvon Kuno » 24/3/2004, 11:18

...dann hatte also mindestens der Hersteller der doofen Tropenhelme bis 1943 volle Auftragsbücher. Schön für ihn!
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Beitragvon Uwe Wiedemann » 24/3/2004, 18:30

Ich finde Tropenhelme schön!
Uwe Wiedemann
 

Beitragvon Uwe Wiedemann » 24/3/2004, 18:31

.....zu Hause im Regal.
Nicht, wenn man sie tragen MUSS.
Uwe Wiedemann
 

Beitragvon Kuno » 1/12/2004, 12:02

Moechte noch einmal auf eine der obigen Fragen zurueckkommen:

Die kniehohen Schnuerstiefel!

- Wie lange dauerte es, diese Dinger im Alarmfall anzuziehen?
- Waren die Dinger "sanddicht"?
- Taugten sie zum Marschieren?
- Wie stark schwitzt man darin?
- wo war der Vorteil gegenüber "normalen" Schuhen?
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